


Die Spiel-Künstlerin wandert durch die Stadt, beobachtet Plätze und setzt sich auf fremde Bänke.
Bei Spaziergängen und Küchentischgesprächen fragt sie Menschen, die Blomberg, ein Kleinod im lippischen Südosten, seit Jahren kennen: Was wünschen Sie sich für Begegnungen?
Haben Sie Ideen für Spielaufgaben für ihre Stadt?

Aus Anekdoten, Beobachtungen und Wünschen der Interviewpartner*innen entstehen nach der ersten Recherchereise ein Pool an Blomberger Spielideen.
In Abwesenheit vom Ort entwickelt die Spiel-Künstlerin 30 Spielkarten mit Aufgaben, die ihren Fokus auf zwischenmenschliche Begegnungen und die Aneignung von öffentlichem Raum legen.




Ohne Spielpartner*innen wäre das Spiel unmöglich.
Die verbündete Kulturarbeiterin öffnet der stadtfremden Künstlerin die Tür zu diversen Einzelhandelsläden: Eine Bäckerei, ein Weinladen, ein Blumenladen, ein Kleiderladen, ein Sozialkaufhaus, eine Sparkasse werden zum Spielfeld, die Ladenmitarbeiter*innen zu vermittelnden Kompliz*innen.

Sie verteilen die Karten auf Cafétischen, im Beratungsgespräch, oder an der Kasse. Damit bauen sie die notwendige Brücke zwischen Karte und unvorbereitetem Menschen, sie beruhigen, erklären, motivieren. Manche wollen gleich noch eine Karte ziehen. Andere fragen: „Was gibt es zu gewinnen?“ – „Die Begegnung ist der Gewinn“, sagt die Bäckereifachverkäuferin.



Beim Kick-off des Spiels auf dem Wochenmarkt lässt die Künstlerin verschiedene Markbersucher*innen eine Karte ziehen. Eine Touristin spielt mit einem Ostwestfalen Schere-Stein-Papier. Der Bürgermeister zieht am Wahlstand eine Spielkarte und bittet daraufhin ein Parteimitglied, ihm das Rennradfahren beizubringen.

An den Fassaden eines Leerstands laden Fragen an den Fenstern dazu ein, Tipps und Tricks zu teilen: „Wie spreche ich jemanden Fremdes an?“, „Wo lässt es sich gut an einem ungewohnten Ortfrühstücken?, „Wie die Scham verlernen, belächelt zu werden?“
Antworten schreiben Passant*innen mit Kreidestift auf die Fenster.



Wer eine Begegnung teilen möchte, kann sich im Spielzeitraum von einer Woche direkt über eine Handynummer, die auf den Spielkarten vermerkt ist, mit der Künstlerin in Verbindung setzen. Einige schicken Whatsappfotos von ihren Erlebnissen. Eine Dame sendet ein Foto von ihrem Fußbad im alten Waschhaus. Eine andere teilt eine Momentaufnahme von einer Bank in der Kuhstraße mit der Bemerkung, dass leider zu wenig Publikumsverkehr zum Grüßen da war.
Nach einer Woche besucht die Künstlerin die teilnehmenden Läden und hört Geschichten von Begegnungen, in denen Kundinnen Kassiererinnen unerwartete Komplimente machten oder Blumen brachten. Irritationen oder Widerstände führten zu längeren Gesprächen. Bei einer trauernden Person zu klingeln und sie zu fragen, ob sie einen Spaziergang machen will – oder die neue Nachbarin auf eine Führung durch die Nachbarschaft einzuladen – überschreitet das nicht den Rahmen dessen, wie man sich „normalerweise“ verhält?


